Munkels TagFeierKalender

Jeder Tag ist ein Feiertag!

all inclusive.

Februar 9th, 2010

“wär arr iu from?” krächzt es durch die Stille im Frühstücksraum. “Uhm, from Austen- in Texas. And you?” “Ei am from Ostria- fanny, saunds werrri ähnlich!”

Eine sympathische ältere Dame, in diesen typischen, braunen, pelzgefütterten Winterstiefeln, mit ordentlicher Bundfaltenhose, praktischer Dauerwellenkurzhaarfrisur und anzunehmender leichter Schwerhörigkeit sucht scheinbar nach Konversation zu Brötchen und Milchkaffee. Die Amerikanerin- breitschultrig, teuer gekleidet- freut sich sichtlich darüber, aus ihrer Einsamkeit gerettet zu werden. Eine Weile höre ich dem witzigen Sprachmix zu. Am Tisch neben mir geht es hektischer zu und her. Ein nicht mehr ganz jugendliches Paar mit einem ziemlich pubertären Jungen setzt sich, isst aber wie es aussieht aus sehr praktischen Gründen ihr petit-déjeuner. Sie riechen sehr nach Geld. Ihren Café trinken sie mit etwas Milch- nicht zu heiss aber nicht zu verdünnt zum runterstürzen- der Junge schlurft etwas später dazu, und steht auch später wieder vom Tisch auf. Ich beobachte sie wenige Minuten später wie sie draussen ihre Koffer in einen dicken BMW wursteln, und sehe auf den ersten Blick, dass keiner von ihnen jemals etwas intensiver Tetris gespielt hat. Im Kopf singe ich die Begleitmelodie dazu und warte auf einen Neustart des Spieles. Er gibt sein Bestes, während sie um den Wagen schleicht- viel zu hektisch um wirklich etwas finden zu können- und nach vermeintlichen Kratzspuren sucht.

Ein älterer Geschäftsmann betritt meine Bühne. Er hängt- als einziger- seinen langen dunklen Mantel an die Garderobehaken, setzt sich gleich neben die Türe, bestellt einen schwarzen Kaffee und liest dazu das Tagblatt.

Langsam füllen sich die Tische im Raum. Ein sehr umfangreicher Mann häuft Käse und Aufschnitt auf seinem Teller an und balanciert ihn zu einem freien Tisch. Tief über den Teller gebeugt schaufelt er sich das Essen in den Mund. Er schaut nur auf, um einen Cappuccino zu bestellen. Ein Paar das eindeutig englisch gekleidet ist braucht lange Zeit, um sich für einen Tisch zu entscheiden. Noch länger, um die einzelnen Komponenten die auf ihren Frühstücksteller sollen zusammenzustellen und lässt sich auch mit dem essen viel Zeit. Entgegen ihrem Bewusstsein werden sie zu meinen Verbündeten als Inseln im hastigen Treiben in dieser kühlen Morgenstunde.

Auf einmal wird mir klar, dass diejenigen, die ich unauffällig beobachte, auch mich sehen können. Und ich frage mich, was sie sich wohl über mich denken könnten, falls sie das tun. Eine Nationalität habe ich keine verraten denn als die nette vielsprachige Serviceangestellte mir meinen Tee brachte, habe ich mich nicht besonders lautstark bedank. Da sitzt also eine, ganz alleine an einem kleinen runden Tischchen beim Fenster. Die meiste Zeit blickt sie nach draussen und denkt mit seligem Lächeln an den gestrigen Tag. Ab und an wacht sie aus ihrer Trance auf und blickt sich mit grossen Augen im Frühstücksraum um, beisst in ihr Brötchen oder schlürft an ihrem Grapefruitsaft.

Der Tag beginnt langsam zu leben. Ich sammle mit dem Zeigefinger Krümel vom Teller auf und freue mich noch nicht so richtig darauf, ganz aufzuwachen.

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